In den letzten Jahren kann der Zuschauer im Theater einen "Spielstil" beobachten, der als beabsichtigtes Spiel mit dem "Nicht-Perfekten" bezeichnet werden kann. Hierunter lassen sich zum Beispiel folgende heterogene Erscheinungsformen subsumieren, die das Phänomen zunächst veranschaulichen sollen:
Eine nicht-perfekte Körperlichkeit ist augenfällig. Zu sehen sind häufig unterspannte, nicht weiter auf Ausdruck bedachte Körper. Dann wiederum werden körperlich extrem agierende Schauspieler in die Überforderung getrieben und verlieren die Kontrolle über die Situation.
Das Nicht-Perfekte auf der Bühne gerät z.B. in Inszenierungen der Theatermacher Frank Castorf und Christoph Schlingensief auch dadurch verstärkt in den Blick, dass Laien und professionelle Schauspieler gemeinsam in direkter Kontrastierung ihrer unterschiedlichen Körperlichkeit und Präsenz auftreten. Schlingensief geht noch darüber hinaus und setzt gezielt durch „Rahmenverschiebungen“ seine Spieler unter Druck, entwirft Drehbücher, die nicht zu spielen sind, sucht Drehorte aus, die unerträglich sind… Auch Constanza Macras führt in ihrem Tanztheater professionelle Tänzer und Laien (Scratch Neukölln) auf der Bühne zusammen und erzeugt durch diese Kontrastierung besondere Wirkungen. Sie lässt Tänzer, während sie sich die Münder mit trockenem Reisbrot vollstopfen, singen und sprechen … Das Nicht-Pefekte wird also inszeniert, oft um den Zuschauer zur genaueren Wahrnehmung zu zwingen oder um eine Unentscheidbarkeit (real oder inszeniert) herbeizuführen.
Dieses Spiel mit dem Nicht-Perfekten soll auf der Fachtagung in zwei Impulsvorträgen von Ute Pinkert und Jens Roselt und in zwei Theorie- (Ute Pinkert, Jens Roselt) und drei Praxis-Werkstätten (Annemarie Matzke, Livia Patrizi, Winfried Tobias) genauer untersucht und hinsichtlich seiner möglichen Relevanz für das Schultheater und das Schultanztheater betrachtet werden.
Verantwortlich: Volker Jurké und Dieter Linck (BV DS)