Fachtagung



Fachtagung: Spiel mit dem „Nicht-Perfekten"

Ausschreibung

In den letzten Jahren kann der Zuschauer im Theater einen "Spielstil" beobachten, der als beabsichtigtes Spiel mit dem "Nicht-Perfekten" bezeichnet werden kann. Hierunter lassen sich zum Beispiel folgende heterogene Erscheinungsformen subsumieren, die das Phänomen zunächst veranschaulichen sollen:

  • Zu beobachten ist zum Beispiel der allseits gefürchtete "Hänger", die Textunsicherheit, das beim Zuschauer wie Spieler gefürchtete "Nicht-mehr-weiter-Wissen" ist. Der Zuschauer ist verunsichert, weil er nicht erkennen kann, ob dies beabsichtigt erfolgt oder nicht. Der Souffleur flüstert nicht, sondern ist deutlich vernehmbar und es scheint, als würde er aktiv in das Spielgeschehen einbezogen. Textpassagen werden unverständlich und psychologisch unmotiviert geschrieen. (René Pollesch).
  • Sprechfehler werden hörbar, die inszeniert scheinen und einerseits zu einer Irritation und andererseits zu einer Aufmerksamkeitssteigerung beim Zuschauer führen. (Frank Castorf)
  • Pappschilder mit Figurennamen und deren Charaktereigenschaften werden hochgehalten und die Figuren werden spielerisch angedeutet, um dann schnell den Spieler zu wechseln. Die Frage, wer welche Figur spielt, wird zweitrangig. (Forced Entertainment)
  • "Experten des Alltags" erzählen und spielen Szenen aus ihrem Leben. Insbesondere ihre laienhaft anmutende Körperlichkeit wird aber bewusst zugelassen oder sogar ausgestellt und nicht einem Ideal von professioneller Körperlichkeit "geopfert". Dennoch wirken diese "ready mades" durchaus präsent. (Rimini Protokoll)
  • Peinlichkeit und Scham werden in "dilettantischen Kollektiven" bewusst angesteuert und in ein ironisches Spiel mit vermeintlicher Authentizität überführt. Spielregeln fordern den Zufall heraus (z.B. wer welchen Text spricht) und die Akteure überspielen nicht ihre möglichen Schwierigkeiten, sondern lassen den Zuschauer im Ungewissen, ob diese gewollt sind oder nicht. (She She Pop)

Eine nicht-perfekte Körperlichkeit ist augenfällig. Zu sehen sind häufig unterspannte, nicht weiter auf Ausdruck bedachte Körper. Dann wiederum werden körperlich extrem agierende Schauspieler in die Überforderung getrieben und verlieren die Kontrolle über die Situation.

Das Nicht-Perfekte auf der Bühne gerät z.B. in Inszenierungen der Theatermacher Frank Castorf und Christoph Schlingensief auch dadurch verstärkt in den Blick, dass Laien und professionelle Schauspieler gemeinsam in direkter Kontrastierung ihrer unterschiedlichen Körperlichkeit und Präsenz auftreten. Schlingensief geht noch darüber hinaus und setzt gezielt durch „Rahmenverschiebungen“ seine Spieler unter Druck, entwirft Drehbücher, die nicht zu spielen sind, sucht Drehorte aus, die unerträglich sind… Auch Constanza Macras führt in ihrem Tanztheater professionelle Tänzer und Laien (Scratch Neukölln) auf der Bühne zusammen und erzeugt durch diese Kontrastierung besondere Wirkungen. Sie lässt Tänzer, während sie sich die Münder mit trockenem Reisbrot vollstopfen, singen und sprechen … Das Nicht-Pefekte wird also inszeniert, oft um den Zuschauer zur genaueren Wahrnehmung zu zwingen oder um eine Unentscheidbarkeit (real oder inszeniert) herbeizuführen.

Dieses Spiel mit dem Nicht-Perfekten soll auf der Fachtagung in zwei Impulsvorträgen von Ute Pinkert und Jens Roselt und in zwei Theorie- (Ute Pinkert, Jens Roselt) und drei Praxis-Werkstätten (Annemarie Matzke, Livia Patrizi, Winfried Tobias) genauer untersucht und hinsichtlich seiner möglichen Relevanz für das Schultheater und das Schultanztheater betrachtet werden.

Verantwortlich: Volker Jurké und Dieter Linck (BV DS)

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Aktuelle Kommentare

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  • 29.10.06 - 22:58 Uhr
  • wie lange wird es noch dauern,bis die online-ausgabe erscheint....will endlich die rezession über... weiterlesen »



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  • okay^^ naja, dachte das die "Kommentar-seiten" eigentlich für kommentare zu stücken und... weiterlesen »

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  • Irgendwie komisch...
    Euer Akzent ist lustig^^

    Vielleicht solltet ihr eure Arroganz ablegen...... weiterlesen »